Als ich vor 1,5 Jahren zum ersten Mal hörte, dass Neuseeland die einmalige Möglichkeit bietet auf diverse Schalenwildarten frei und kostenlos(keine Abschuss oder Lizenzgebühren) zu jagen, war mir klar, "da will ich hin". Es ließ sich aber sonst keiner so recht dafür begeistern und nach dem ich einige Infos eingeholt hatte, war auch klar, dass so eine Tour alleine kaum machbar ist. Neuseeland wurde also erstmal ad acta gelegt. Etwas ein Jahr später las ich dann im Wild und Hund-Forum die Berichte von Peter, der vor einigen Jahren nach Neuseeland ausgewandert ist und dort die einmaligen Jagdmöglichkeit ausgiebig nutzt. Also hab ich Peter einfach mal angeschrieben um Informationen aus erster Hand zu bekommen. Peter lud mich kurzer Hand ein, ihn in Neuseeland zu besuchen. Ich hatte vorher schon Emailkontakt mit Ronald gehabt, der im April 08 mit Peter gejagt hatte und nur positives von Peter berichten konnte. Ich hatte leider nur im Dezember Zeit, nicht optimal, aber Neuseeland bietet das ganze Jahr über gute Jagdmöglichkeiten. Mein Ziel waren Gams und Thar in den Alpen und zum Schluss noch kleine Tagesjagden um Wellington. Gebucht habe ich den Flug direkt über Air New Zealand, was ich nur empfehlen kann.
Der Flug selbst, naja wie sollte es anders sein bei ca.25std. reiner Flugzeit, recht anstrengend und nervig, aber die Airline hat mich gut versorgt. Ich war froh endlich neuseeländischen Boden zu betreten und Peter holte mich wie vereinbart In Wellington ab. Ich möchte hier nochmal jedem der Neuseeland besuchen will ausdrücklich darauf hinweisen, dass alle Ausrüstungsgegenstände (Stiefel, Zelte, Messer) gut gereinigt werden müssen. Mich hat die Biosecuritykontrolle viel Zeit gekostet und ich hätte fast meinen Anschlussflug verpasst. Schon die Landschaft um Wellington ist wunderbar und der Busch am Straßenrand gab mir einen Vorgeschmack auf den, der mich in den Alpen erwartete.
Wir hatten einen straffen Zeitplan, nahmen schon am nächsten Abend die Fähre auf die Südinsel und Peter fuhr die anschließende Nacht durch, sodass ich am nächsten Morgen schon einen Blick auf die grandiose Landschaft der westlichen Alpen werfen konnte. Ich war todmüde, ich hatte die letzen Tage kaum geschlafen, Peter ging es nach einer durchgefahrenen Nacht nicht anders. Nichts desto trotz sattelten wir nach einem kleinen Frühstück morgens um 8 Uhr die Rucksäcke und marschierten guter Dinge los. Obwohl wir eingespart haben wo es ging, hatte ich zusammen mit der Waffe knappe 30kg zu tragen, Peter sogar noch mehr.
Der Wanderweg war eine reine Katastrophe, abgesehen von den Markierungen an Bäumen war für mich teilweise kaum zu erkennen, wo der Weg verlief. Wir überquerten zahlreiche Bäche und gingen durch den teilweise sumpfigen Regenwald, der mit seinen zahlreichen Farnen so gar nicht in unsere Zeit passte. Erstaunlicherweise kam ich gut zurecht und fühlte mich fit, bis wir nach ca. 3,5 Stunden einen reißenden Fluss erreichten. Die Wandermarkierung führte uns einfach durch eine Stromschnelle, die unpassierbar war.
Wir brauchten 1 Std. um eine Stelle zu finden, die wir mit Gepäck durchqueren konnten. Peter hatte eh schon nasse Füße und trug seinen und anschließend meinen Rucksack durchs teilweise hüfthohe, kalte Wasser.
Ich wollte versuchen möglichst trocken von Stein zu Stein zu hüpfen und landete prompt im Wasser, zum Glück nur bis zum Bauch. Wir brauchten weiter 4 Std. bis wir endlich die Hütte in einem wundervollen Tal erreichten.
Unterwegs sahen wir noch drei junge Tharbullen auf die Peter flüchtig einen Schuss abgab, leider daneben. An der Hütte angekommen war ich vollends kaputt und wollte mich erstmal im 300m entfernten Fluss waschen. Also raus aus den Klamotten und im Adamskostüm ab zum Fluss. Peters Warnung vor den Sandflies hielt ich für überzogen. Naja ich habe irgendwann aufgehört die Stiche zu zählen, die sich erst nach Tagen bemerkbar machten. An einem Fuß hatte ich auf jeden Fall mehr als 10.
Via Funkgerät hatte Peter den Wetterbericht eingeholt und da Regen angesagt war, konnten wir ausschlafen. Es regnete fast 1 Tag ununterbrochen und so verbrachten wir den Tag in der Hütte. Ein paar Wekas spielten während des Regens um die Hütte herum.
Am nächsten Morgen ging es in aller Frühe los. Wir wollten in einem Fluss die 1200Höhenmeter bis zur Buschgrenze aufsteigen und nach Tharen Ausschau halten. Knapp hinter der Hütte sahen wir schon 2 Stück Rotwild, aber denen galt nicht unsere Aufmerksamkeit. Der Aufstieg im Fluss war extrem anstrengend und forderte meine nicht vorhandenen Kletterkünste voll.
Nach 30min stand in meinen leidlich getrockneten Schuhen das Wasser. Nach 2std. machten wir Pause und ich wollte ein Foto schießen. Als ich mich wieder umdrehte, sah ich 50 Meter hinter uns auf einem haushohen Felsen eine Gams. Ich schnappte die Waffe und schoss vollkommen überhastet daneben. Schei**e!! Naja der Tag war noch jung, also weiter dem Himmel entgegen und die fantastische Aussicht genießen.
Nach 6 Stunden erreichten wir die Baumgrenze und ich war vom schwierigen Gelände vollkommen ausgelaugt und haute mich erstmal ins Gras. Peter stieg zu einem kleinen Vorsprung auf und glaste die Hänge ab. Leider zog Nebel auf und so reduzierte sich unsere Sicht bald auf weniger als 100 Meter. Wir aßen ein wenig und warteten ab. Als sich das Wetter nicht besserte beschlossen wir wieder abzusteigen.
Peter suchte für den nächsten Tag eine leichtere Tour aus und wir beschlossen zu einer gut erreichbaren Felswand zu laufen, in der eigentlich immer Thare stehen. Die Wand reicht 800 Meter beinahe senkrecht in den Himmel und ein Feld auf der anderen Talseite bot uns einen guten Einblick. Wir sahen mehrere weibliche Thare, die sich aber in diesem Teil der Wand nicht bergen ließen also warteten wir ab. Kurz darauf fing es an zu Nieseln und Nebel zog auf. Also ging es wieder ab zur Hütte und Peter kochte uns wiedermal etwas Leckeres zum Mittag.
Danach gingen wir einen anderen Fluss hinauf aber leider stand uns der Wind im Nacken und wir trieben das Wild vor uns her. Der Fluss schien aber von Gämsen zu wimmeln.
Wir stiegen wieder ab, als plötzlich eine Gams vor uns den Fluss überquerte, ich schoss und sah die Decke der Gams stauben. Die Gams ging ab, doch eigentlich hätte sie liegen müssen. Wir fanden keinen Schweiß und den Anschuss kann man im Fluss logischerweise nicht untersuchen. Wir suchten, doch im dichten Busch ließ sich die Gams nicht finden. Wir waren beide ziemlich enttäuscht und marschierten wieder zur Hütte.
Der nächste Tag bescherte uns wieder Regen und wir hatten Zeit uns zu erholen. Die zahlreichen Mückenstiche an meinen Füssen waren mittweile geschwollen und ich hatte mir den rechten Fuß in den ständig nassen Schuhen an mehreren Stellen wundgelaufen.
Am nächsten Morgen wollten wir unser Glück wieder an der Felswand versuchen. Diesmal spielte das Wetter mit. Wir sahen zahlreiche Thare, die sich leider immer in Teilen der Felswand aufhielten, aus denen wir sie unmöglich hätten bergen können. Ich beobachtete fasziniert die für mich fremde Wildart und konnte beobachten , wie eines der trittsicheren Tiere an der Wand in den Tod stürzte.
Nachmittags stiegen wir wieder ab und versuchten unser Glück nochmal in einem Fluss. Es fanden sich haufenweise Trittsiegel und Losung von Rotwild, aber wir hatten keinen Anblick.
Am nächsten Tag stiegen wir einen vielversprechenden Fluss auf. Ich kam in den Genuss einen Gebirgsfluss mit einem Walkwire (3 Stahlseile - eines zum drauf laufen, zwei zum festhalten) zu überqueren, ziemliche abenteuerlich das Ganze.
Als wir zu einem sehr steilen 800m Aufstieg kamen, trennten wir uns und ich stieg wieder ab. Am Abend kündigt der Wetterbericht, von Sonntagabend bis Dienstag starken Regen an. Wir wollten eigentlich erst Dienstag absteigen, aber der Regen würde den Abstieg unmöglich machen. Wir mussten also am nächsten Tag los. Der Abstieg selbst lief gut, ich war um einiges fitter und wir hatten deutlich weniger Gewicht, so brauchten wir nur knappe 6std. Die drauf folgende Nacht verbrachten wir in einem schönen Motel und schliefen in einem gemütlichen Bett den Schlaf der Gerechten. Auch wenn wir beide leer ausgegangen waren, war es eine unvergessliche Tour.
Den darauf folgenden Tag fuhren wir zurück, durch tolle Landschaft und nahmen abends die Fähre. Wir wollten uns noch einen Tag Ruhe gönnen, es regnet wiedermal, Sachen waschen und dann 2 Tage Ziegen jagen, damit ich endlich Peters Ziegencurry probieren konnte.
Wir fuhren mittags los und es klärte sich zunehmend auf. Als wir nachmittags ankamen, wollten wir bevor wir das Zelt aufbauten, noch einen kleinen Pirschgang wagen. Eine Stunde Fußweg trennte uns von dem Flussbett, das wir rauf wollten. Dort sollte es reichlich Ziegen geben und auch ein paar Stücke Rotwild.
Schon ein kurzes Stück später hörten wir ein leises Blöcken, Peter antwortet prompt und rief die Ziege heran. Ich schoss das Bockkitz und nach dem Aufbrechen ging es weiter.
Schon ein paar hundert Meter weiter machten wir wieder Ziegen hoch, Peter schoss und ich versuchte noch hinterher zu schießen aber fehlte. Die Geiß lag einige Meter weiter, eigentlich genug für einen Mittag aber wir wollten noch einen Blick auf den nächsten Hang wagen.
Und siehe da, wieder Ziegen und ich konnte einen jungen Bock schießen.
So, jetzt aber zurück, wir zerlegten die Ziegen und es ging wieder bergab. Ich hatte eh keine Munition mehr, es sollte nur eine kleine Pirsch werden und keiner hatte damit gerechnet, dass wir an einem Nachmittag 19 Ziegen sehen würden. Ich verstand, warum sie hier als Schädlinge gelten.
Kaum 100m von dem Platz entfernt, an dem ich das Bockkitz geschossen hatte, hörte ich links im Hang ein Geräusch, dachte mir aber nichts dabei. Plötzlich sah ich eine Bewegung und erkannte sofort den Hirsch, der keine 30 Meter vor uns austrat. Er schien uns zu bemerken, reagierte aber falsch und wollte trotzdem durchs Bachbett. Ich brachte nur noch ein "Peter schieß. SCHIEEEEß" hervor. Der Hirsch hatte uns den Spiegel zugekehrt, als Peter die Waffe hochriss und schoss. Der Hirsch brach zusammen. Peter war noch der Meinung, einen Spießer geschossen zu haben, ich hatte schon gesehen, dass er mehr auf hatte. Peter hatte seinen stärksten Hirsch geschossen, er war zwar im Bast, aber wir freuten uns trotzdem.
Am Hirsch sah ich auch wohin Peter geschossen hatte.
Wir mussten uns beeilen, da es schon zu dämmern anfing. Wir konnten beim besten Willen nicht alles Wildbret bergen und ließen eine Vorderkeule zurück. Es war schon dunkel und wir mussten mit Stirnleuchten absteigen und wechselten alle 20 Minuten das Gepäck. Einer trug beide Tagesrucksäcke und das Haupt, der Andere den Sack mit dem Wildbret. Als wir vollkommen fertig, aber glücklich, am Auto ankamen, verluden wir alles und fuhren wieder zu Peter. Das Wildbret sollte in den Gefrierschrank und der Basthirsch zum Präparator.
Am nächsten Tag wurde das Wildbret portioniert, vakuumiert und wir erholten uns. Am nächsten Morgen wollten wir den Hirsch zum Präparator bringen und einen Freund von Peter besuchen. Auf seiner Farm wollten wir ein paar Kaninchen und Hasen schießen, außerdem ist Howard ein weitgereister Jäger und da gibt es immer ne Menge zu quatschen. Leider war das Gras zu hoch und wir konnten die reichlich vorhandenen Hasen und Kaninchen nicht sehen, so konnte ich nur ein Kaninchen schießen.
Am Abend angelten wir noch an einem traumhaften Fluss, konnten aber keine Forelle überzeugen.
Der nächste Tag war wieder total verregnet, wir fuhren mittags vergeblich los, weil das Wetter besser werden sollte. Für meinen letzten Jagdtag prophezeite die Vorhersage wieder eine Verbesserung am Nachmittag und diesmal behielt die Vorhersage recht. Wir genossen das schöne Wetter und hatten guten Anblick. Peter und ich konnten je drei Ziegen erlegen. Nach einem so erfolgreichen Tag stiegen wir im letzten Licht ab und kamen spät bei Peter an.
Da mein Flieger erst am Abend ging, nutzte ich den Tag noch um in Wellington ein Museum zu besuchen und ein wenig durch die Stadt zu schlendern. So ließ ich eine schöne Reise ausklingen, bei der ich reichlich Eindrücke sammeln konnte.
Natürlich ist es schade, dass ich weder Gams noch Thar strecken konnte, aber in so einer wilden Landschaft kann man keinen sicheren Erfolg erwarten. Die einzigartige Natur und die unberührten Berge haben mich reichlich entschädigt.
Ich kann somit Neuseeland als Jagdland für den, der körperlich anstrengende Wildnisjagd sucht wärmsten empfehlen. Die vielfältigen Jagdmöglichkeiten auf diverse Schalenwildarten sind wohl einzigartig und verhältnismäßig preiswert.
Gruß und Waidmannsheil
Dennis
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