Ich hab mir vorgenommen nach jedem "Lebensabschnitt" ;-) eine Reise zu machen und mir ein Gewehr zu kaufen. So ist es eine Blaser Kipplaufbüchse K95 in Kaliber .270Win geworden. Und nachdem ich die Berichte vom Jägerfranz im Wild & Hund Forum gelesen hatte wusste ich das ich so was auch mal machen werde, nämlich jagern in Neuseeland.
Manchmal reitet mich ein wenig der Teufel und irgendwie fiel mir ein so was doch einfach kurzfristig durchzuziehen. Den Jägerfranz kontaktiert standen nach einigem Mailwechsel zwei Trips in die Gebirge der Nordinsel auf Neuseeland für die zweite Aprilhälfte fest.
Nun begann die Vorbereitung. Peter empfahl doch einfach gleich mal mit Ausdauertraining zu beginnen, da ich mich auf einiges gefasst machen sollte. Mein Arbeitskollege Jürgen ist Semi-Profiradrennfahrer und erstellte mir einen Trainingsplan der beginnend mit 1 Stunde am Heimtrainer mit bis zu 3 Stunden täglich nach 5 Wochen endete. Einige Liter Schweiss flossen so und nachdem ich den letzten Tag am Plan abgehakt hatte war ich um 8,5kg leichter. Ab da wurde als Alternative für "JägerFranz" das Synonym "Schlankmachfranz" geboren. Auch einige Male ging ich mit Ballast im Rucksack auf den Schoberstein (600 Höhenmeter) um die neuen Schuhe einzulaufen und das Thema schmerzende Knie beim Abstieg in den Griff zu bekommen. Übrigens empfahl mir mein Orthopäde eine einfache Dehnungsübung, und seither ist das Runterlaufen vom Berg schmerzfrei.
Am 11. April 2008 ging es dann los von Wien nach London, von London dann nach Auckland mit Zwischenlandung in HongKong. Dann noch der Inlandsflug von Auckland nach Wellington und nach einem "kurzen" Flug von netto 26 Stunden empfing mich Peter am Flughafen.
Bei Peter gabs dann köstliches Rotwildgulasch. Um den Jetlag leichter zu überwinden durfte ich mich erst nach 20:00 NZ-Ortszeit zu Bett begeben. 10 Stunden Zeitverschiebung waren dann eigentlich kein Problem für mich. Am 1. Tag fuhr ich mit der Metro nach Wellington und einen Tag verbrachte ich in Upper Hutt um mich zu aklimatisieren.
Am 13. April machten wir eine Tagesjagd in der Nähe von Wellington. Bereits beim Aufstieg hörte ich nach 45 Minuten den 1. Hirsch auf der anderen Talseite röhren. Üppigste Vegetation und traumhafte Aussichten bescherte uns die Tour bei der wir 7 Stunden unterwegs waren.
Am 14. April starteten wir dann unseren 1. Trip in die Berge. Der Anmarsch zur Hütte sollte laut Homepage des DOC ca. 7 Stunden dauern und nachdem ich mich ja gut auf marschieren vorbereitet hatte sollte das kein Problem für mich werden. Am Parkplatz bei leichtem Regen den Rucksack aufgeschnallt mit reichlich Proviant und Wäsche gings dann 1 Stunde ziemlich bergauf.
Dann über die Bergrücken für einige Stunden. Der Wald würde allmählich zum Zauberwald. Riesige, uralte Baume mit Moss bewachsen und grüne Fäden hingen von den Zweigen. Manchmal kam mir wirklich der Gedanke dass jeden Moment eine Fee hinter einem Baum hervorspringen würde. Wer "Herr der Ringe" gesehen hat kann sich das vorstellen, die Wälder sehen in NZ wirklich teilweise so aus. Dann noch 2 kleinere Berge von vielleicht 200 Höhenmeter überwunden und schon waren wir nach fast 9 Stunden Dauermarsch bei der Hütte. Vor lauter Erschöpfung hatte ich keinen Hunger mehr. Der Marsch ging über meine Grenzen hinaus. Vielleicht wäre eine Vorbereitungszeit von einigen Monaten doch angebracht gewesen. Der dauernde Regen während des Aufstieges setzte mir zusätzlich massiv zu.
Am 2. Tag in der Früh mussten wir in die Nasse Kleidung vom Vortag schlüpfen. Doch das Laufgewand war nach 30 Minuten Trocken, die Schuhe jedoch erst nach dem 4. Tag. Ist halt was für echte Männer ;-) Hier war ich das erste mal froh nicht meine Hirschlederne zu tragen sondern Synthetiklaufgewand.
Nach ca. 100 Höhenmeter waren wir am Gipfel und von dort aus gings dann über die Bergrücken. Schon nach kurzer Zeit stand fest dass es dort viel Wild gibt. Überall Losung und Fährten. Leider blies der Wind ziemlich heftig und heftiger Nebel versperrte uns oft die Sicht. Die Zwei Stücke Rotwild die wir am Berg in Anblick bekamen waren jedoch unerreichbar für uns.
So ließen wir den Tag mit köstlichem Räucherlachs mit Kartoffel, Oliven, Sardellen, Fisolen und Zwiebel ausklingen. Der Sprituskocher und Peter harmonierten optimal und so mangelte es uns nicht an warmem Tee, Suppen und wohlschmeckenden Speisen.
Der 3. Tag versprach ein guter Tag zu werden. Von der Früh weg schien die Sonne. Um 10:00 war es dann so warm dass ich meinen Fleece Pullover auszog.
Wir stiegen wieder auf den Gipfel auf und folgten dem Grat für ca einen Kilometer, wobei wir immer wieder die Buschkante abglasten. Leider liess sich kein Rotwild blicken - es war wohl etwas intelligenter als wir. Denn der Wetterumschwung kam innerhalb von Minuten, und bald steckten wir in einem Schneesturm! Wir mussten also die Pirsch abbrechen und uns in die Hütte zurückziehen.
Am 4. Tag dann nach 7 Stunden Abstieg durch den Zauberwald und vom Wind zerzausten Bergrücken waren wir wieder beim Auto. Ich war ziemlich erschöpft. Peter jedoch macht das öfter und so schien ihm der Trip nicht sonderlich zuzusetzen.
Traumhafte Berge und Gegend. Leider hatte uns das Wetter nicht mitgespielt trotz dass ich das ganze Jahr über "halbwegs brav" gewesen bin. Am Abend gabs dann Kanadagansbrust mit Bandnudeln und Champignonsauce und einen guten Merlot Cabernet .
Danach folgten 2 Tage Erholung bei Peter zu Hause. Ich nutzte die Zeit für einen neuerlichen Ausflug nach Wellington. Die Leute in Neuseeland sind wirklich freundlich, nett und hilfsbereit. Manchmal hatte ich den Eindruck die wollen mich alle adoptieren.
Der Wetterbericht für den 2. Trip war optimal und so starteten Peter und ich am 17. April erneut in die Berge. Diesmal hatten wir 4 Stunden Anfahrtsweg bis zum Start in die Berge. Erneut den schweren Rucksack umgeschnallt ging es los. Doch gleich zu Beginn machte uns die gesperrte 1-Mann Gondel welche uns über den Fluss bringen sollte einen Strich durch die Rechnung.
Wir mussten zum Flussbett absteigen und Peter erklärte mir dass wir zu Fuß durch den Fluss gehen werden. Ich weigerte mich jedoch meine Schuhe wieder komplett mit Wasser zu Füllen wie dies der Regen bei der 1. Tour gemacht hatte. 4 Tage wollte ich einfach nicht wieder mit nassen Schuhen in den Bergen umeinanderlaufen. Barfuß ließ mich Peter wg. der Verletzungsgefahr nicht durchgehen und so wechselte ich meine Meindl Schuhe gegen die Turnschuhe die ich für die Hütte eingepackt hatte. Der Hüftgurt und der Brustgurt des Rucksackes wurden geöffnet um sich möglichst schnell zu befreien falls uns oder einen von uns das Wasser mitreißen würde. Peter und ich verschränkten sich mit je einem Arm am Rücken und durchquerten so Schritt für Schritt wie innige Freunde die nichts trennen kann den vom Regen angeschwollenen Fluss. Das Wasser reichte zwar nicht ganz zu den Hüften jedoch war die Strömung so gewaltig dass mir manchmal mulmig wurde. Meine Wanderschuhe blieben trocken aber die Meindl meines Guide waren wieder mal getränkt.
Nach 4 Stunden waren wir am Gipfel und nach 20 Minuten Abstieg bei der kleinen, schnuckeligen 6-Mann Hütte angelangt.
Mittlerweile wurde meine Kondition auch besser und so beschlossen wir noch eine Abendpirsch zu machen. Die 200 Höhenmeter von der Hütte bis zum Gipfel machten mittlerweile schon Spass. Wir pirschten den Grat entlang und setzen uns dann auf eine Felsnase von der man den ganzen riesigen Gebirgskegel einsehen konnte. Nach einiger Zeit entdeckte ich ein Tier auf einem Geröllhang unter uns. Wir pirschten noch weiter runter bis zum nächsten Felsvorsprung und ich richtete mich am Rucksack ein. Währenddessen gesellte sich noch das Kalb zum Tier. Im Schuss brach das Tier zusammen und rollte in den Busch. Repetiert und auf das Kalb angelegt. Auch dieses zeichnete. Da es schon ziemlich spät war und die Dämmerung begann kehrten wir zur Hütte zurück um am nächsten Morgen das Wild zu bergen.
Den zweiten Tag liessen wir mit einer herrlichen Abendpirsch die uns Anblick in unerreichbarer Entfernung brachte, ausklingen.
Am 3. Tag machten wir uns schon zeitig in der Früh auf den Weg. Wieder die 200 Meter bis zum Gipfel hoch gingen wir bis zum nächsten Gebirgskessel. Nach zirka 1 Stunde erreichten wir den Punkt von dem aus wir in Richtung Tal einsteigen wollten. Wir waren noch ziemlich früh dran und so mussten wir noch warten bis sich die Wolken verzogen. Als ich in Richtung Tal und die Ebenen dort unten blickte sah ich einen Kreisrunden Regenbogen welcher in der Mitte meinen Schatten beinhaltete - siehe nächstes Bild. Im Hintergrund ist das Tal und die sanften grünen Hügel Neuseelands zu erkennen.
Es war ein Moment des Innehaltens, des Nachdenkens und des Genießens auf der Welt zu sein, gesunde Kinder zu haben.
Als sich nach einigen Minuten die Wolken teilweise verzogen stiegen wir vom Grat talwärts in den Kessel ein. Ich war ungefähr 20 Meter hinter Peter. Plötzlich wurden vor uns einige Stück Hochwild hoch, 2 Tiere und ein Kalb flüchteten von uns weg. Ein 3-er Hirsch jedoch trennte sich vom Rudel. Peter (er hatte das Gewehr) deutete mir ich solle schnell zu ihm runterlaufen. Ich stand jedoch nur mehr erstarrt um das Stück nicht weiter aufzuscheuchen. So konnte Peter zwei Schüsse loswerden, wobei der 2. Schuss den Hirsch im Feuer schlagartig direkt auf einer Felsnase zusammenbrechen ließ. In einer kleinen Mulde direkt über einem Steilen Abhang lag das Stück und ich konnte mir nicht verkneifen ein paar mal ein Weidmannsheil in die Berge zu rufen! Als meine Freudenschreie verstummten sah ich rechts von mir auf ca. 500 Meter einen wirklich guten Hirsch hochwerden welcher sich den flüchtenden Tieren anschloss. Es war ein imposanter Anblick wie sich das Rudel im langsamen Troll in Richtung Busch davonmachte.
Die Freude war natürlich bei uns beiden riesig und nach einigen Fotos machten wir uns ans Aufbrechen. Zuerst die Hinterkeulen und dann eine der Vorderkeulen. Die zweite Schulter wurde durch den Schuss ziemlich stark in Mitleidenschaft gezogen und da wir bzw. Peter das Wildpret noch einige Stunden bis ins Tal schleppen mussten liessen wir das zerstörte Wildpret zurück. Wir lösten noch die Rückensteaks aus und stopften die Keulen und das übrige Fleisch in Peters Wildpretsack.
Nach ca. 1,5 Stunden waren wir wieder am Gipfel über der Hütte angekommen. Das Wildpret ließen wir beim Hüttenschild zurück um erstmals eine Mittagsrast zu machen. Am Nachmittag dann löste Peter die Knochen aus dem Wildpret um es dann anschließend zum Teich zu tragen und im wasserdichten Beutel zu versenken damit es gekühlt wurde.
Alles hat ein Ende nur die Wurst hat zwei. Und so mussten wir uns am 4. Tag wieder auf den Weg nach Hause machen. Ich übernahm möglichst die schweren Gepäckstücke denn auf meinen Jagdführer wartete ja noch der im Gebirgssee gut gekühlte Fleischbeutel.
Wie die letzen Tage auch hatten wir wieder Kaiserwetter. Ein Abschiedsfoto mit dem Vulkan im Hintergrund, welcher durch die Wolkendecke durchsticht, wird mich immer an die Tage an einen der schönsten Orte der Erde erinnern.
Nach 5 Stunden abstieg erreichten wir wieder den Fluss und wenige wenige Minuten später das Auto und nach weiteren 4 Stunden waren wir wieder zu Hause bei Peter.
Das Wildpret wurde versorgt und am letzen Tag vor der Abreise war ich noch Gast bei Bekannten meines Jagdführers. Dort wurden Hirschsteaks und Wildbratwürste gegrillt. Die Wildbratwürste welche Peter selbst macht schmecken traumhaft köstlich!
Fazit: Um in Neuseeland zu jagern sollte man (oder Frau) topfit sein. Es ist oft stundenlang zu marschieren, bergauf und bergab. Das Jagen und Bergen des Wildes ist mit großen Strapazen in teilweise sehr steilem Gelände verbunden. Dennoch möchte ich diese Erfahrung und die Tage in traumhaft schöner, reiner Landschaft nicht missen!
Ich möchte mich bei Peter und seiner bezaubernden Frau bedanken für die sehr nette und zuvorkommende Aufnahme und die schöne Zeit die ich dadurch am anderen Ende der Welt verbringen durfte. Danke !
All jenen die sich vorstellen können mal eine Reise ins Land der Maori zu machen kann ich nur nahelegen dies auch zu tun.
Übrigens: mein Gewehrschrank ist jetzt voll ;-) Nach Neuseeland werde ich trotzdem wieder fahren.
Ronald Gugler
(für Rückfragen unter ronald.gugler@gmx.at zu erreichen)
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