Ruahine Tussock Tops, März 2008

Von Zeit zu Zeit überkommt mich der Drang und ich muss hinauf in die Berge. Und so kam es dass ich an diesem heissen Märztag durch den Busch nach oben klomm. Der Schweiss lief in Strömen, und ich war froh als ich die letzten Bäume hinter mir liess und auf das etwas flacher ansteigende Plateu hinauslief. Ich legte den Rucksack ins Gras und genoss die Aussicht auf die in der Ferne aufragenden Vulkane.


Als ich weiter aufstieg und über das Plateu lief drehte der Wind etwas, und der aufkommende schwache Südwind war angenehm kühl als ich durch das Tussockgras lief. Ein atemberaubender Ausblick auf die umliegenden Bergketten begleitete mich für die nächste Stunde.




Ich erreichte die Anhöhe über der Hütte und machte mich an den Abstieg, und 20 Minuten später stiess ich die Hüttentür auf - mein Zuhause für die nächsten Tage.

Nachdem ich mich gestärkt hatte schnappte ich mir den Jagdgürtel, Fernglas und Büchse und machte mich auf die Abendpirsch. Auf der Anhöhe oberhalb der Hütte nahm ich im tiefen Gras Platz und beobachtete die umliegenden Hänge. Aber der Südwind nahm zu, und es wurde rasch sehr kalt. Soweit stimmte die Wettervorhersage, und ich hoffte dass auch der für die nächsten Tage vorhergesagte Sonnenschein eintreffen würde. Ohne Anblick gehabt zu haben stieg ich also wieder hinab zur Hütte und legte mich in den warmen Schlafsack. Eine kurze Nacht brach an.


Der Wecker läutete um 05:00 Uhr. Ich zog mich an und nahm ein rasches Frühstück zu mir. Dann ging es im Schein der Stirnleuchte die Anhöhe hinauf. Ich lief über das Tussockgras Richtung Süden und begann in der Morgendämmerung den Hauptgipfel zu besteigen, wobei ich immer wieder über den Grat nach Wild Ausschau hielt. Der Anstieg war steil, das Gras rutschig und immer wieder lauerte verstecktes Speargrass, das mir die Hände und Beine zerstach. Gegen 08:20 Uhr erreichte ich den Gipfel und liess mich ins Gras plumpsen um eine Pause einzulegen. Ich holte das Fernglas aus der Tasche und begann den Kessel unter mir abzuglasen.

Binnen zwei Minuten hatte ich drei Stücke Rotwild ausgemacht, und die wilde Hatz begann! So schnell ich konnte und es das Gelände zuliess lief ich den Grat weiter nach Süden, immer weiter hinab wobei ich eine Art Halbkreis um das Rotwild schlug. Am südlichen Teil des Kessels angekommen begann ich den Abstieg in den Kessel; meist mehr rutschend und sich an Krüppelsträuchern entlanghangelnd ging es hinab. Schliesslich machte ich an einer Bodenwelle halt und hielt erneut nach dem Rotwild Ausschau.

Fünf Minuten vergingen bevor ich einen kurzen Blick auf die drei Stücke erhaschte. Sie waren jetzt 200m entfernt und etwas oberhalb von mir. Bevor ich jedoch die Büchse anlegen konnte waren sie wieder hinter ihrer Bodenwelle verschwunden, und ich musste abwarten. So glaste ich also den Kessel weiter ab, und tatsächlich wurde ich ein paar Minuten später wieder fündig - in 430m, über einige weitere Bodenwellen hinweg, stand ein Hirsch!

Die drei Damen für den Grill waren also schnell vergessen, und es ging weiter über Gestrüpp und Geröllhalden. Zehn Minuten später war ich an der letzten passierbaren Bodenwelle angelangt - danach kam ein tiefes, unpassierbares Geröllfeld. Ich legte mich in die Krüppelsträucher. Mein Atem ging schnell, und der Schweiss brannte in meinen Augen als ich das Fernglas hervorholte um nach dem Hirsch Ausschau zu halten. Als ich ihn ins Blickfeld zu bekommen glaubte fehlte ihm jedoch plötzlich das Geweih - nanu? Ein Stück Rotwild mit Kalb hatte sich zu ihm gesellt, und kurze Zeit später sah ich ihn im Gebüsch liegen, nur das Geweih schaute hervor.

Der Entfernungsmesser zeigte 320m, und von hier aus musste es passieren. Ich korrigierte das Zielfernrohr, legte die Gürteltasche auf die Krüppelsträucher und visierte ihn an. Das Fadenkreuz hob und senkte sich mit meinem Herzschlag, und ich wartete bis er sich schliesslich erhob und breit zu mir stand.

Der erste Schuss aus der .308 schallte über das Tal, und vor mir staubten die Blätter. Das Gewehr lag zu tief im Gebüsch, und verzweifelt versuchte ich es 2cm höher anzuheben für den zweiten Schuss. Auch dieser war jedoch zu tief, und fluchend legte ich die Gürteltasche ein Stück höher. Der Blick durchs Zielfernrohr bestätigte mir dass das kleine Rudel unbeweglich dastand. Ich holte einen tiefen Atemzug und drückte erneut ab. Diesmal zeichnete der Hirsch vorne. Ich lud schnell nach, und nach dem vierten Schuss war der Hirsch aus dem Blickfeld verschwunden, Tier und Kalb standen jedoch noch ruhig da.

Parallel zum Hang konnte ich nicht zum Anschuss vordringen da mir der Geröllabgang den Weg versperrte. Also musste ich meinen Weg zurückgehen; der Anstieg war wieder steil und ich brauchte einige Zeit bis ich den oberen Grat erreicht hatte. Ich umrundete den Geröllabgang und dann ging es auf der anderen Seite steil, sehr steil hinunter. Ich hangelte mich an den Krüppelsträuchern tiefer hinab. Etwa auf halben Weg hinunter zum Anschuss nahm ich das Tier mit Kalb wahr wie es den Hang auf einer Bodenwelle heraufkam. Sie waren nur etwa 80m von mir entfernt und mussten mich eigentlich gesehen haben, aber sie zogen vertraut weiter und entfernten sich von mir. Ich hatte kein Interesse in diesem steilen Talkessel noch weitere Tiere zu schiessen, also lief ich sie laufen und begnügte mich mit ein paar Fotos.



Etwa 200m weiter unten sah ich einen braunen Fleck im trockenen Bachbett. YEEEHAAAAAAAAWWWWWWW!


Er war kein besonders guter Kopf, aber trotzdem ein ansehnliches Tier. Aber nun stand ich vor dem Problem in zu bergen - nicht ganz so einfach, in einem steil abfallenden Bachbett! Ich balancierte den Körper mit meinem Knie um ihn vorm Abrutschen zu bewahren während ich ihm die Keulen abschnitt. Mein Plan war die Keulen auf meinen Rücken zu binden da ich nur die Gürteltasche mitgenommen hatte. Auf diese Weise hatte ich bisher all mein Rotwild geborgen, aber ich musste leider feststellen dass es hier zu steil war um mit den Keulen auf dem Rücken wieder hochzuklettern. Nach mehreren Versuchen musste ich aufgeben und die Keulen zurücklassen. Ich war etwas deprimiert als ich schliesslich anderthalb Stunden später die Anhöhe wieder erreichte - alles was ich hatte mitnehmen können war der Kopf, da er sich etwas einfacherer balancieren liess.

Durch die glühende Nachmittagssonne stapfte ich zurück über den Grat und dann hinunter zur Hütte. Meine Hände waren zerstochen und ich war dehydriert, aber langsam kam meine gute Laune zurück. Immerhin hatte ich gerade einen Hirsch erlegt, das sollte etwas gefeiert werden! So liess ich den Tag bei gutem Essen und einem Bier (das ein unbekannter Spender auf der Hütte zurückgelassen hatte) den Tag ausklingen.

Den nächsten Morgen wollte ich ausruhen. Ich stand also gegen 07:30 Uhr auf, machte mir einen Kaffee und legte mich zurück in den Schlafsack. Gegen 08:30 wollte ich dann aufstehen und mir ein gutes Frühstück kochen und setzte Wasser auf. Noch in Socken stand ich in der Hütte und beobachtete durchs Fenster den von der Morgensonne durchfluteten Hang, als mir ein rotbrauner Fleck auffiel. Das konnte doch nicht sein? Ich kramte das Fernglas hervor - richtig, da stand ein Tier mit Kalb am Hang, und die Entfernung war ok!

Ich stieg also schnell in die Stiefel, lud das Gewehr durch und trat ins Freie. Der Entfernungsmesser zeigte 300m an, und ich korrigierte wieder den Nullpunkt. Am Hüttenschild aufliegend nahm ich das Tier unter Beschuss. Allerdings hatte das Zielfernrohr einen kleinen Schlag bei der Kletterei abgekriegt (was ich später auf dem Schiessstand bestätigte), und ich schoss einige Schuss daneben. Fluchend legte ich schliesslich etwas oberhalb der Rückenkante an, und diesmal sass der Schuss und das Tier brach im Schuss zusammen!

Ich schnürte mir also die Stiefel zu, schnappte mir den Rucksack und erklomm den Hang hinter der Hütte, wo ich dann zehn Minuten später mein Stück Rotwild fand. YEEEEEHAAAAAAAWWWWW!


Das Kalb war in der Zwischenzeit verschwunden, aber es war spät genug im Jahr um sich keine Sorgen um sein Überleben zu machen. Ich zerlegte das Tier grob und steckte die Keulen und Schlegel in den Rucksack. Dann genoss ich den Ausblick zurück zur Hütte, bevor ich ich mich an den kurzen Rückweg machte.


In der Hütte angekommen legte ich das Wildpret auf etwas Zeitungspapier zum Kühlen aus und beförderte es in die kühlste Ecke der Hütte. Ich hielt die Hütte gut verschlossen, und so hatten die tausenden von Fliegen die umherbrummten keine Chance an das Wildpret zu kommen. Endlich hatte ich Zeit für einen Tee.


Am Nachmittag schliesslich schlug ich das Wildpret aus der Decke und beinte das Fleisch aus. Das Fleisch verstaute ich in Plastiktüten und einem wasserdichten Sack, dann ging es wieder hinaus ins Freie, die Anhöhe hinauf. Die Abendsonne begann die Berge in ein orange-rot zu verfärben als ich weiter nach Norden zu einem kleinen Gebirgssee lief.


Am See angekommen schubste ich den Sack ins Wasser und verankerte ihn am Geweih. Auf diese Weise war mein Wildpret gut gekühlt und konnte nicht wegkommen.



Ich lief durch den sanften Wind zurück zur Hütte und liess den Abend bei gutem Essen ausklingen.

Am nächsten Morgen räumte ich die Hütte auf und machte mich auf den Rückweg. Es war wieder prima Wetter, und beim See angekommen hievte ich den Fleischsack in meinen Rucksack. Beladen mit etwa 30-35kg Gepäck lief ich durch das Tussockgras und machte mich eine Stunde später an den steilen Abstieg ins Tal. Alle 20 Minuten musste ich eine längere Pause einlegen um meinen Gelenken Zeit zum Entspannen zu geben.

So war es dass ich eine Stunde bevor ich das Auto erreichen sollte etwa 300m hoch über dem Fluss sass und in einen verwachsenen Talkessel blickte. Kleine Wasserfälle durchbrachen den Kessel und ich holte tief Luft und genoss das Leben.

Aus dem Kessel herüber vernahm ich das Röhren eines Hirsches. Die Brunft hatte begonnen.


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